Wenn von Energiewende die Rede ist, denken viele zuerst an große Windräder, riesige Solarparks oder milliardenschwere Infrastrukturprojekte. Tatsächlich kann sie aber auch direkt vor der eigenen Haustür beginnen – auf dem Balkon, der Garage oder dem Hausdach. Genau deshalb habe ich mich entschieden, ein Balkonkraftwerk zu installieren. Nach inzwischen zwei Monaten Betrieb kann ich sagen: Der Einstieg war deutlich einfacher als gedacht und die ersten Ergebnisse haben meine Erwartungen sogar übertroffen.
Erst rechnen, dann kaufen
Bevor ich mich auf die Suche nach einer passenden Anlage gemacht habe, wollte ich zunächst verstehen, wie unser Stromverbrauch überhaupt aussieht. Denn die beste Solaranlage nützt wenig, wenn sie nicht zum eigenen Alltag passt.
Unser Jahresverbrauch liegt bei rund 2.300 kWh. Montags und freitags arbeite ich im Homeoffice, wodurch tagsüber ein recht gleichmäßiger Stromverbrauch durch Computer und Zubehör entsteht. Von Dienstag bis Donnerstag ist dagegen meistens niemand zu Hause. Gekocht wird überwiegend am Abend, oft läuft dann auch noch der Fernseher. Die spannende Frage war also: Wann verbrauchen wir eigentlich Strom und wie lässt sich die Sonnenenergie möglichst gut nutzen?
Um das herauszufinden, habe ich einige smarte Steckdosen eingesetzt und damit verschiedene Geräte vermessen. So konnte ich unsere sogenannte Grundlast bestimmen – also den Stromverbrauch, der rund um die Uhr anfällt, auch wenn niemand aktiv Strom nutzt. Das Ergebnis lag bei etwa 120 bis 140 Watt.
Dabei habe ich noch eine weitere interessante Erkenntnis gewonnen: Die meisten Geräte im Haushalt benötigen deutlich weniger Leistung, als man zunächst vermuten würde. Selbst unser Wäschetrockner bleibt meist unter 750 Watt. Nur größere Verbraucher wie Waschmaschine oder Spülmaschine während der Aufheizphase, der Induktionsherd, Backofen, Wasserkocher oder die Kaffeemaschine liegen darüber.
Das bedeutet in der Praxis: Die maximale Einspeiseleistung von 800 Watt reicht für einen Großteil des Alltags völlig aus. Nur bei wenigen Geräten muss kurzfristig zusätzlich Strom aus dem Netz bezogen werden.
Speicher oder kein Speicher?
Wer sich mit Balkonkraftwerken beschäftigt, stößt früher oder später auf genau diese Frage.
Die einfachste Variante besteht aus Solarmodulen und einem Wechselrichter. Sobald die Sonne scheint, wird Strom erzeugt und direkt ins Hausnetz eingespeist. Die maximale Leistung beträgt dabei 800 Watt. Wird gerade weniger Strom verbraucht als produziert wird, fließt der Überschuss ins öffentliche Netz.
Daneben gibt es Systeme mit Batteriespeicher. Auch hier dürfen maximal 800 Watt ins Hausnetz abgegeben werden. Der Unterschied besteht darin, dass überschüssige Energie gespeichert und später genutzt werden kann – zum Beispiel abends, wenn die Sonne längst untergegangen ist.
Schon bei der Analyse unseres Stromverbrauchs wurde mir klar, dass ein Speicher für uns sinnvoll sein könnte. Tagsüber ist oft niemand zu Hause, während der Strombedarf am Abend deutlich ansteigt. Genau für solche Situationen wurde ein Speicher praktisch erfunden: Tagsüber wird Energie gesammelt, abends kann man sie wieder abrufen.
Für meinen Anwendungsfall war das deshalb die ideale Lösung.
Die Qual der Wahl
Wer nach Balkonkraftwerken sucht, wird schnell von der Vielzahl an Angeboten erschlagen. Vom günstigen Einsteigerpaket bis zur Komplettlösung mit Speicher ist alles dabei. Viele Anbieter sitzen sogar in der Region und ermöglichen eine Selbstabholung – sofern man ein Auto hat, in das mehrere Solarmodule hineinpassen, ein Modul kann aber schnell eine Größe von 2m auf 1m erreichen.
Ich habe mich schließlich für ein System von EcoFlow mit vier Solarmodulen à 500 Watt entschieden. Aufgrund der hohen Nachfrage musste ich zwar ein wenig länger auf die Lieferung warten, insgesamt hielt sich die Verzögerung aber in Grenzen.
Meine Anlage besteht aus:
- vier Solarmodulen mit jeweils 500 Watt Leistung
- einer Flachdachhalterung
- Solarkabeln
- einem Batteriespeicher mit integriertem Wechselrichter
Die gesamten Kosten lagen bei rund 900 Euro.
Aufbau: einfacher als gedacht
Der eigentliche Aufbau war überraschend unkompliziert. Die größten Herausforderungen waren nicht technischer Natur, sondern eher logistischer Art: Wie bekomme ich die Solarmodule aufs Dach? Und wie verlege ich die Verkabelung bis in den Keller?
Dank tatkräftiger Unterstützung war die erste Frage schnell gelöst. Nach etwa einer halben Stunde lagen alle Module an ihrem Platz.
Der technische Teil war anschließend fast schon unspektakulär. Die Module werden über standardisierte Steckverbindungen angeschlossen. Die Kabel werden einfach zusammengesteckt und verriegelt – ähnlich wie bei einem großen Baukastensystem. Fehler sind dabei kaum möglich. Auch der Anschluss an den Speicher beziehungsweise Wechselrichter verlief problemlos.
Anmeldung und rechtliche Rahmenbedingungen
Ein Thema, das viele Interessierte zunächst abschreckt, sind die gesetzlichen Vorschriften. Tatsächlich wurde hier in den vergangenen Jahren aber vieles vereinfacht.
Heute muss ein Balkonkraftwerk lediglich im Marktstammdatenregister registriert werden. Die Anmeldung war in meinem Fall innerhalb weniger Minuten erledigt.
Kurz darauf meldete sich sogar mein Netzbetreiber bei mir und bot den kostenfreien Austausch meines Stromzählers an.
Trotzdem sollte man sich vorab informieren, was erlaubt ist und was nicht. Eine gute Übersicht bietet der VDE unter den Informationen zu steckerfertigen PV-Anlagen.
Je nach Anlagengröße und Anschlussart können unterschiedliche Anforderungen gelten. Viele Hersteller bieten inzwischen Komplettpakete inklusive Elektroinstallation an, sodass man sich darum kaum kümmern muss.
Und was bringt das Ganze nun?
Die vielleicht wichtigste Frage lautet natürlich: Lohnt sich das überhaupt?
Meine Anlage läuft seit Anfang Juni. Und die ersten Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen:
- Juni: rund 210 kWh Stromerzeugung
- Juli (nach 3,5 Wochen): bereits rund 200 kWh Stromerzeugung
Besonders spannend fand ich die Auswertung, woher unser tatsächlich genutzter Strom gekommen ist:
- etwa 30 % wurden weiterhin aus dem öffentlichen Netz bezogen
- rund 40 % kamen direkt von den Solarmodulen
- weitere 30 % wurden zunächst gespeichert und später verbraucht
Gerade diese letzten 30 Prozent zeigen sehr schön, welchen Nutzen ein Speicher haben kann. Ein großer Teil der tagsüber erzeugten Energie steht dadurch auch am Abend zur Verfügung.
Mit meiner aktuellen Speicherkapazität von 1,92 kWh komme ich allerdings nicht immer komplett durch die Nacht. Besonders dann nicht, wenn am Abend noch gekocht wird. Deshalb werde ich voraussichtlich einen zusätzlichen Speicher nachrüsten. Zum Glück ist das bei meinem System problemlos möglich.
Mein Fazit
Wenn ich heute noch einmal vor der Entscheidung stehen würde, würde ich das Projekt genauso angehen.
Von der Planung über die Bestellung bis zur Installation war der Aufwand deutlich geringer als erwartet. Technisches Vorwissen schadet zwar nicht, ist aber längst keine zwingende Voraussetzung mehr. Dank vereinfachter Vorschriften und moderner Komplettsysteme ist der Einstieg heute einfacher denn je.
Noch erfreulicher sind die ersten wirtschaftlichen Ergebnisse: Nach meiner aktuellen Kalkulation wird sich die Anlage bereits nach etwa zweieinhalb Jahren bezahlt gemacht haben. Danach produziert sie für viele Jahre Strom praktisch zum Nulltarif.
Für mich ist das Balkonkraftwerk deshalb weit mehr als nur ein technisches Hobby. Es zeigt, dass Energiewende nicht immer groß und kompliziert sein muss. Manchmal reichen schon ein paar Solarmodule, etwas Neugier und ein sonniger Tag, um einen spürbaren Unterschied zu machen. Und ehrlich gesagt: Es macht schon ein wenig Spaß, auf die App zu schauen und zuzusehen, wie das eigene kleine Kraftwerk gerade Strom produziert.
