Stromkosten senken durch intelligentes Energiemanagement

Smart Home bezeichnet die Vernetzung und intelligente Steuerung von Geräten und Systemen in einem Gebäude. Dazu gehören beispielsweise Heizung, Beleuchtung, Rollläden, Haushaltsgeräte, Sicherheitstechnik und Energiemanagement, die miteinander kommunizieren und automatisiert werden können. Ziel ist es, den Wohnkomfort, die Energieeffizienz, die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Bei einem dynamischen Stromtarif ändert sich der Arbeitspreis in der Regel viertelstündlich entsprechend dem Börsenpreis. Ein intelligentes Energiemanagement kann deshalb entscheiden, wann Strom günstig bezogen werden soll. Voraussetzung für einen solchen Tarif ist in Deutschland ein Intelligentes MessSystem (iMSys, mehr als ein einfacher digitaler Zähler) in Verbindung mit einem entsprechenden Strom-Tarif – und am besten einer Smart Home Steuerung.  

Ein Home-Energy-Management-System (oder HEMS) wird besonders interessant, wenn es größere elektrische Verbraucher automatisch nach dem aktuellen Strompreis aktiviert. Genau hier entsteht in Verbindung mit einem dynamischen Stromtarif eine erhebliches Kostenspar-Potenzial.

Die Verbraucherzentrale nennt stromintensive Abnehmer wieWärmepumpen, Klimageräte und E-Auto-Wallboxen in Verbindung mit PV-Anlagen als typische Anwendungsfälle für ein solches System:

  • Die Wärmepumpe kann bevorzugt in günstigen Stunden Wärme erzeugen und beispielsweise das Gebäude oder den Warmwasserspeicher etwas stärker aufheizen.
  • Das Klimagerät kann an heißen Sommertagen bereits in günstigen Stunden vorkühlen. Dadurch lassen sich die Kosten zumindest teilweise reduzieren. Außerdem ergänzt sich bei dieser Kombination Strom-Angebot und Nachfrage perfekt, speziell bei eigener PV-Anlage.
  • Die Wallbox ist der flexibelste Verbraucher. Das Elektroauto kann automatisch dann geladen werden, wenn der Strom besonders günstig ist und nicht unbedingt sofort nach dem Einstecken.

Das Entscheidende ist dabei die Kombination: Das System kennt den Strompreis für die kommenden Stunden, den aktuellen Verbrauch und – idealerweise – auch Wetter- und PV-Prognosen. Ein HEMS aktiviert daraufhin die flexiblen Verbraucher automatisch.

Welche Einsparung ist realistisch?

Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit Wärmepumpe, Klimaanlage und Elektroauto rechnet mangrob mit 300 bis 700 € Einsparung pro Jahr gegenüber einem guten normalen Festpreistarif, sofern die flexiblen Verbraucher tatsächlich automatisch gesteuert werden.

Eine beispielhafte Größenordnung:

Verbraucher

Jahresverbrauch angenommen

mögliche Einsparung

Wärmepumpe

4.000 kWh

120–250 €

Elektroauto/Wallbox

2.500 kWh

100–200 €

Klimagerät

500 kWh

20–50 €

übriger Haushalt

2.500 kWh

20–50 €

Gesamt

9.500 kWh

ca. 260–550 €

Bei besonders günstigen Börsenstrompreisen und konsequenter Steuerung können auch 600–800 € pro Jahrerreichbar sein. Das ist allerdings keine garantierte Ersparnis: Bei einem dynamischen Tarif trägt der Kunde auch das Risiko hoher Börsenpreise. Außerdem besteht der Strompreis nicht nur aus dem Börsenpreis; Steuern, Abgaben, Netzentgelte und weitere Bestandteile bleiben bestehen.  

Die Größenordnung sollte deshalb eher als Einsparpotenzialund nicht als sichere Rendite verstanden werden. Die Frage, ab wann sich die Investitionen rentieren, hängt daher maßgeblich vom Benutzerverhalten ab.

Was ist für die Installation erforderlich?
  1. Intelligentes Messsystem installieren lassen: Der normale digitale Stromzähler (mME) reicht für einen echten dynamischen Tarif nicht aus. Benötigt wird ein Smart Meter mit Kommunikations-Gateway (iMSys). Seit 2025 kann ein Haushalt den Einbau eines solchen intelligenten Messsystems verlangen (meist kostenpflichtig).
  2. Dynamischen Stromtarif auswählen: Wichtig sind nicht nur der Börsenpreis, sondern auch Grundgebühr, Aufschlag des Anbieters, Vertragsbedingungen und Abrechnung. Die Bundesnetzagentur weist ausdrücklich darauf hin, dass die verschiedenen Kostenbestandteile und Risiken betrachtet werden sollten.
  3. Ein Energiemanagementsystem installieren: Das HEMS bildet die zentrale Intelligenz. Es sollteZugriff auf Strompreis, Netzbezug und möglichst PV-Erzeugung sowie auf die steuerbaren Geräte.
  4. Option 1: Wärmepumpe anbinden: Ideal ist eine direkte Schnittstelle zur Wärmepumpe, über die Betriebsart oder Sollwerte beeinflusst werden können. Ein simples Ein-/Ausschalten ist dagegen meist nicht die optimale Lösung.
  5. Option 2: Wallbox integrieren: Die Wallbox sollte eine Schnittstelle besitzen, über die Ladeleistung und Ladezeit gesteuert werden können. Das System sollte beispielsweise wissen: „Das Auto muss morgen um 7 Uhr zu 80 % geladen sein“ und anschließend selbst den günstigsten Ladezeitraum suchen.
  6. Option 3: Klimagerät integrieren: Moderne Geräte lassen sich häufig über WLAN oder eine Smart-Home-Schnittstelle steuern. Das System könnte beispielsweise bei günstigen Strompreisen stärker vorkühlen und anschließend die Leistung reduzieren.
  7. Option 4: PV und Batteriespeicher integrieren: Das macht das System nochmals interessanter: Dann entscheidet das Energiemanagement nicht nur zwischen „jetzt“ und „später“, sondern zwischen PV-Strom, Batteriespeicher und Netzstrom. Gerade bei einer vorhandenen PV-Anlage ist die Kombination aus PV-Prognose und dynamischem Tarif besonders interessant.
  8. Persönliche Regeln und Prioritäten im HEMS festlegen. Beispielsweise: „Auto bis 7 Uhr geladen“, „Warmwasser mindestens 50 °C“, „Wohnraum maximal 25 °C“,  „Wärmepumpe nicht unnötig takten“, Bevorzugt eigenen PV-Strom verwenden“, „Bei extrem hohen Strompreisen flexible Verbraucher zurückfahren“
Der wesentliche Vorteil besteht somit nicht darin, dass die Geräte weniger Energie verbrauchen. Sie verbrauchen die Energie hauptsächlich dann, wenn diese weniger kostet(und entlasten so auch die Netze). Genau deshalb eignet sich ein Haushalt mit größeren Verbrauchern wie Wärmepumpe, Wallbox und Klimaanlage wesentlich besser für einen dynamischen Tarif als ein Haushalt, dessen Stromverbrauch fast ausschließlich aus Licht, Kühlschrank, Waschmaschine und Unterhaltungselektronik besteht.
Für einen technisch versierten Haushalt kann ein offenes Smart-Home-System wie Home Assistant dabei als übergeordnete Steuerung eingesetzt werden. Die eigentlichen Sicherheits- und Regelungsfunktionen der Wärmepumpe, Wallbox usw. sollten aber möglichst weiterhin in deren eigener Steuerung verbleiben. Das Smart Home gibt lediglich optimierende Sollwerte bzw. Ladefreigaben vor.Kommerzielle Systeme verbinden oft schon viele Komponenten, wenn sie aus einer Hand bezogen werden.
Eine gute Nachricht ist, dass diese Maßnahmen nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand im Rahmen einer Modernisierung, der Anschaffung neuer Geräte und schrittweise im laufenden Betrieb vorgenommen werden können. Wichtig ist, dass relevante Stromverbraucher vernetzt und steuerbar sind. Dann steht dem Kostensparen im wirklichen „Smart Home“ nichts mehr im Wege.
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