Heute möchten wir darüber berichten, wie sich die Elektromobilität in der Praxis in letzter Zeit bei uns weiterentwickelt hat. Es ging so schnell, dass manches noch gar nicht richtig wahrgenommen wird. Deshalb müssen auch einige Mythen der Vergangenheit ausgeräumt werden. Damit kommen wir zu den Fakten, die heute für die Bewertung von batterie-elektrisch betriebenen PKWs benötigt werden, und das sind Dinge wie Zuverlässigkeit und Sicherheit, Lademöglichkeiten, Ladezeiten und nicht zuletzt die Anschaffungs- und Betriebskosten.
Anschaffungs- und Betriebskosten
Früher lagen die Anschaffungskosten von E-Autos im Schnitt etwa 10.000 Euro über denen von Verbrennern. Laut einer aktuellen Untersuchung des Center Automotive Research (CAR) lag der Preisunterschied im August 2025 nur noch bei lediglich 2.243 Euro. Die Tendenz ist weiter fallend.
Die Betriebskosten von E-Autos sind normalerweise niedriger als die von Verbrennern. So sind die Ladekosten im Vergleich zu den Treibstoffpreisen günstiger. Erst bei Strompreisen von über 60 Cent pro Kilowattstunde an Schnellladesäulen liegen E-Autos gleichauf mit Benzin-, oder Dieselfahrzeugen, bzw. leicht darüber. Da E-Autos deutlich weniger bewegliche Verschleißteile haben, keine Ölwechsel notwendig sind und die Bremsbeläge wegen der Stromgenerierung beim Bremsen deutlich weniger abgenutzt werden, fallen die Instandhaltungs- und Reparaturkosten beim E-Auto deutlich niedriger aus.
Zuverlässigkeit und Sicherheit
Aus der Statistik des ADAC geht hervor, dass E-Autos weniger Pannen haben als Verbrenner. Insbesondere beim Vergleich von Motor, Motormanagement und den Hochvoltsystemen der E-Autos schneiden diese deutlich besser ab. E-Autos sind also zuverlässiger als Verbrenner.
Die Befürchtung, E-Autos würden häufiger brennen als Verbrenner, wurde durch verschiedene Untersuchungen entkräftet. Im Gegenteil, das Allianz Zentrum für Technik (AZT) kommt beispielsweise zu dem Schluss, dass Elektrofahrzeuge im Vergleich zu Fahrzeugen mit herkömmlichen Antriebsarten deutlich weniger oft in Brand geraten. Und was ist zu tun, wenn doch einmal ein Fahrzeugbrand auftreten sollte? In einem Podcast mit Christian Emrich, Leiter der Freiburger Feuerwehr, und Prof. Helmut Ehrenberg, Batterieforscher vom Karlsruher Institut für Technologie und Feuerwehrmann, beschreiben die beiden Experten wie ein Akku-Brand gelöscht werden muss, nämlich nur mit Wasser aus einem Strahlrohr das den Akku auf unter 80°C kühlt. Von Löschcontainern, Löschlanzen und Löschdecken, die in der Öffentlichkeit oft propagiert werden, raten die Experten dringend ab.
Akku-Haltbarkeit
Lange Zeit wurde befürchtet, dass die Batterien von E-Autos schon nach wenigen Jahren unbrauchbar würden und ein sehr teurer Austausch notwendig wäre, oder der Wiederverkaufswert der Fahrzeuge stark gemindert würde. Eine umfangreiche Untersuchung von über 7.000 Elektroautos hat gezeigt, dass moderne Lithium-Ionen-Akkus bis zu 1.000 Ladezyklen halten, was bedeutet, dass sie für mindestens 300.000 Kilometer reichen können. Sie übertreffen damit die bisher üblichen Herstellergarantien von acht bis zehn Jahren, bzw. 160.0000 bis 250.000 Kilometern. Selbst nach 100.000 Kilometern Fahrleistung liegt die Speicherkapazität noch bei 90 Prozent.
CO2- Bilanz
Bei der Herstellung eines E-Autos wird momentan noch etwas mehr Kohlendioxid freigesetzt als beim Bau eines Verbrenners. Bei der Produktion der Batteriezellen kommen vermehrt erneuerbare Energien zum Einsatz, so dass der CO2-Rucksack deutlich kleiner wird. Stand heute hat ein E-Auto nach einer CO2-freien Fahrleistung von etwa zwei Jahren den Rückstand zum Verbrenner aufgeholt und ist damit ökologisch im Vorteil. Übrigens sind die Akkus gut recyclebar, so dass etwa 90 Prozent der Rohstoffe nach einer Zweitverwendung der Akkus als stationäre Speicher in die Neuproduktion rückgeführt werden können.
Reichweite
Die Reichweite von Elektroautos hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Aktuelle Modelle sind nun in der Lage 400 bis 600 Kilometer mit einer einzigen Ladung zu fahren. Dies macht Elektroautos zunehmend alltagstauglicher und reduziert die „Reichweitenangst“ bei potenziellen Käufern. Durch die kontinuierliche Entwicklung in der Batterietechnologie und der Effizienz der Antriebe werden in naher Zukunft Reichweiten von 1.000 Kilometern möglich werden.
Lademöglichkeiten
Mit steigender Reichweite werden die Anforderungen an die Lade-Infrastruktur natürlich niedriger. Trotzdem gibt es hier ein immer größeres Angebot, qualitativ und quantitativ.
Es bieten sich viele Möglichkeiten an: im öffentlichen Raum allgemein, am Arbeitsplatz, wo es bezüglich der Ladezeiträume am effizientesten ist, und daheim, wo es am preiswertesten und bequemsten ist. Alle Möglichkeiten sind natürlich nicht für alle gleichermaßen gegeben. Aber in allen drei Bereichen hat es in den letzten Jahren enorme Fortschritte gegeben, und es wird auch hier Zeit, einige Mythen zu widerlegen.
Öffentliches Laden
Ein gutes öffentliches Ladenetz ist entscheidende Voraussetzung für den Hochlauf der Elektromobilität. Es wird sich kaum jemand ein E-Auto kaufen, wenn nicht gewährleistet ist, dass bei längeren Fahrten entsprechende Lademöglichkeiten zur Verfügung stehen. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur enthält 139.285 Normalladepunkte und 45.321 Schnellladepunkte, die am 1. November 2025 in Deutschland in Betrieb waren. An den Ladepunkten können gleichzeitig insgesamt 7,57 GW Ladeleistung bereitgestellt werden. Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist also besser als von vielen kritisiert wird.
Es gibt etwa 14.000 Tankstellen mit etwa 80.000 Tanksäulen in Deutschland. Das heißt wir haben bereits mehr als halb so viele Schnellladesäulen wie Tanksäulen. An leistungsstarken Schnellladesäulen (150 bis 400 kW) kann in wenigen Minuten Strom für einige 100 Kilometer geladen werden. Diese Zeiten sind im Vergleich zum Tanken von Benzin oder Diesel mehr als konkurrenzfähig.
Es kann jetzt an allen Ladesäulen mit Kreditkarte (EC-Karte) bezahlt werden. Spezielle Ladekarten (RFID-Karten) sind nicht mehr zwingend notwendig.
Laden am Arbeitsplatz
Wer mit dem Auto zur Arbeit fahren muss, sollte sein E-Mobil auch dort laden können. Das hat nur Vorteile: es ist genügend Zeit zum Laden und das Laden tagsüber, besonders über die Mittagszeit, passt optimal in die Zeiten hohen Stromangebotes. Und es ist bequem, weil man keine zusätzlichen Fahrten zur Ladestation hat. Also nur Vorteile! Allerdings muss der Arbeitgeber mitspielen, was glücklicherweise schon viele tun. Wer beim Arbeitgeber eine Parkmöglichkeit auf dem Firmengelände hat, dort aber nicht laden kann, sollte seinen Arbeitgeber direkt oder über den Betriebsrat oder die Betriebsversammlung ansprechen. Die Investitionen sind meist nicht hoch und der Arbeitsplatz gewinnt auch sicher an Attraktivität.
Laden daheim
Wer einen Stellplatz auf eigenem Grund hat und zusätzliche gute Bedingungen für eine Solaranlage, kann sich beim Autokauf das Abwägen zwischen Verbrenner und E-Antrieb sparen. Mit Strom aus einer Solaranlage mit moderner Steuerung ist das E-Mobil immer von Vorteil, selbst wenn es keine nennenswerte Förderung gibt. Worauf man achten muss, kann man in vielen Ratgebern nachlesen, wie zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen.
Etwas schwieriger war es bisher, wenn der Autostandplatz sich in einer Gemeinschaftsanlage (Tiefgarage oder Garagenhof) befand. Das hat sich aber in den letzten Jahren geändert, weil sich Gesetzte geändert haben und viel Erfahrungen gesammelt wurde. Das Vorurteil: „Geht nicht, ist zu teuer und zu kompliziert und alle müssen zustimmen“ ist überholt und wird durch viele verwirklichte Projekte widerlegt.
Davon können Sie sich selbst überzeugen bei einer Veranstaltung unseres Energie-Forums am Mittwoch, den 21. Januar 2026 um 19 Uhr im vhs Bildungszentrum Baldhamer Straße 39 in Vaterstetten. Mehr dazu auf der Seite zur Veranstaltung.
Dip.-Ing. Michael Lenz berichtet über die Ausrüstung von Tiefgaragen und Garagenhöfen mit E-Mobil-Ladestationen. Seinen großen Erfahrungsschatz hat er bei der Mitwirkung an über 100 Tiefgaragen-Projekten gesammelt. Er hat einen Kurz-Leitfaden für Einsteiger entwickelt und bietet auch eine kostenlose Beratung an. Mehr Information über die Tätigkeit des Vortragenden bietet ein Bericht im Regionalteil der SZ Ebersberg-Erding-Freising vom 10. Dezember 2025.
Noch besser ist es, ihn persönlich bei seinem Vortrag am 21. Januar kennenzulernen. Dazu ist eine Anmeldung bei der VHS, z.B. unter Tel 08106 359035 erforderlich. Sie sollte auch möglichst bald erfolgen, denn beide Vorhergehenden Veranstaltungen waren voll ausgebucht.
Fazit
Die Entscheidung hin zu batteriebetriebenen Elektroautos ist gefallen. Sie sind den anderen Antriebstechnologien beim Klimaschutz, der Wirtschaftlichkeit und der Praxistauglichkeit bereits jetzt überlegen. Wasserstoff und E-Fuels sind ineffizient und teuer. Wasserstoffautos brauchen etwa dreimal so viel Strom, mit E-Fuels betriebene Autos etwa fünfmal so viel Strom wie batteriebetriebene Elektroautos. Selbst im Bus- und LKW-Bereich ist der Weg Richtung E-Antrieb klar. Die Diskussion zum Aus für das Verbrenner-Aus ist völlig kontraproduktiv, verunsichert die Käufer und schadet den Automobilfirmen. Dieser Artikel ist ein Beitrag, der helfen soll, die Verunsicherung der Bürger abzubauen. Dann ist es auch leichter, nach der Erkenntnis zu handeln: Je länger die Verbrenner fahren, desto schwieriger wird es, die Klimaziele zu erreichen.
