Nachhaltigkeit bei der Mobilität – Vaterstettener Auto Teiler e.V.

Im Verkehrssektor sind wir noch weit davon entfernt, die Klimaschutzziele in 2030 zu erreichen. CO2-Einsparungen von jährlich ca. 6% wären nötig. Die Realität ist aber zur Zeit, dass der CO2-Ausstoß nahezu konstant bleibt.1 Wie können wir als Bürger zu einer Verbesserung der Situation beitragen?

Wege dazu wurden schon in unserer Ausstellung zum 10-jährigen Bestehen der Energiewende Vaterstetten in 2018 aufgezeigt. Hier die damaligen Vorschläge unter der Devise „Selbst nachhaltige Lösungen suchen“:

  • ÖPNV und Bahn statt Auto
  • Fahrrad statt Auto für kurze Wege
  • Weniger fahren durch besseres Planen
  • Fahrgemeinschaften zur Arbeit
  • Wie groß muss mein Auto sein?
  • Wie stark muss mein Auto sein?
  • Muss es überhaupt „mein“ Auto sein?

Ein leichter Rückgang der jährlich gefahrenen km von PKWs zwischen 2018 und 20242 deutet an, dass die ersten 4 Einsparmaßnahmen schon praktiziert werden. Fakt ist aber auch, dass der PKW aus persönlichen und verkehrs-strukturellen Gründen für viele unverzichtbar ist. Es gilt also nicht, ihn mit Gewalt zu verdrängen, sondern seinen Einsatz effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Und da ist noch ganz viel Luft nach oben, denn die 3 Fragen in rot haben beim Autokauf bisher mehrheitlich offenbar keine Rolle gespielt: Der Anteil der SUVs bei den Neuzulassungen stieg von 2018 bis 2025 von 18.3 % auf 33,3% !3 Die mittlere Motorleistung bei Verbrennern stieg von 2015 bis 2025 von 137 PS auf 212 PS!3

Bei dieser Entwicklung schlägt bei der Nachhaltigkeit auch der Ressourcenverbrauch und der CO2-Ausstoß bei der Fahrzeugherstellung deutlich zu Buche, zumal die eigentliche Fahrzeugnutzung immer geringer wird. Die mittlere Nutzungsdauer eines privaten PKW liegt mittlerweile bei 45 min pro Tag oder 3%. Im Falle solch geringer Auslastung gibt es bessere Lösungen für den Individualverkehr als den Eigenbesitz. In unserer Gemeinde ist die attraktivste das Auto-Teilen. Durch die Mehrfachnutzung eines Fahrzeugs können je nach Situation 6 bis 10 eigene PKWs eingespart werden. Bei zu wenig Verkehrsraum, wie auch bei uns in Vaterstetten, ist das allein schon ein Gewinn. Mehr zu diesem Projekt des Vaterstettener Autoteilers im folgenden Abschnitt.

Anmerkung: Das Wort E-Mobilität erscheint im vorigen Abschnitt deshalb nicht, weil die Aussagen zu Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Ressourcenschonung für beide Antriebsarten gleichermaßen gelten, unabhängig von den zusätzlichen Vorteilen des E-Antriebs. Siehe Thema des Monats Januar 2026.

Vaterstettener Auto-Teiler, ein gelungenes Beispiel für Nachhaltigkeit durch Bürger-Engagement

Interview von Eugen Muchowski (EM) vom AK Energiewende Vaterstetten mit Klaus Breindl (KB), Vorstandsmitglied des VAT

EM: Sie waren ja ein Pionier des CarSharings durch Bürgerbeteiligung. Wie fing alles an?
KB: Der Vaterstettener Auto-Teiler (VAT) ist einer der ältesten CarSharing Vereine in Deutschland. Er wurde 1992 von fünf Familien in Vaterstetten gegründet. Eingebracht wurde damals ein gebrauchtes Auto, und jede der fünf Familien hat einen Beitrag von 1200 DM zum Kaufpreis von 6000 DM geleistet. Die Gründer sagten sich, wir brauchen nicht jeder ein eigenes Auto. Es reicht doch, wenn wir gemeinsame Fahrzeuge haben, die wir gemeinsam nutzen. Zu gleichen Zeit wurden auch in Bamberg, Freising und Renningen solche Vereine gegründet. In den Folgejahren haben sich zahlreiche Vereine nach diesem Muster gegründet, allein 11 im Landkreis Ebersberg.

EM: CarSharing hat ja auch Vorteile für die Umwelt, die ja heute immer wichtiger werden.
KB: Laut einer Untersuchung der Schweizer Bundesregierung spart jedes aktive Mitglied ungefähr 300 Kilo CO2 pro Jahr durch das CarSharing. Nachhaltigkeit ist auch dadurch gegeben, dass CarSharing weniger Fahrzeuge benötigt, als wenn jeder sein eigenes Auto fährt. Das spart zusätzlich Ressourcen und Energie.

EM: Es sind ja nun schon 34 Jahre, seit der VAT mit fünf Familien und einem Auto angefangen hat. Wie ging die Entwicklung voran?
KB: Heute hat der VAT 850 Mitglieder und insgesamt 1700 Fahrberechtigte, die die Fahrzeuge des VAT fahren dürfen. Zugang zu den Autos erhält man mittels eines Chips auf dem Führerschein. Die Fahrzeugflotte besteht 2026 aus 36 Fahrzeugen.

Die Grafik zeigt die Mitgliederentwicklung der letzten 33 Jahre
Die Grafik zeigt die Mitgliederentwicklung der letzten 33 Jahre

EM: Welche Fahrzeuge besitzt der VAT?
KB: Es gibt unterschiedliche Fahrzeugkategorien: Kleinwagen, Kompaktwagen, Mittelklasse, Transporter und Busse. Jeder Nutzer kann dabei das passende Auto für seinen Bedarf ausleihen.

EM: Zur Betriebswirtschaft: Wie ist denn die Auslastung der Fahrzeuge? Wie häufig werden sie genutzt? Wie lange bleibt ein Fahrzeug im Bestand des VAT?
KB: Unsere Fahrzeuge sind gut ausgelastet, im Durchschnitt ca. 8 h/Tag. Die mittlere Laufleistung beträgt ca. 18.000 km/a. Sie bleiben rd. 6 Jahre im Bestand. Dann werden sie verkauft und durch ein anderes Fahrzeug ersetzt.

EM: Haben Sie auch Elektroautos?
KB: Wir haben jetzt 2 Elektroautos, bauen aber weiter aus.

EM: Mit welchen Kosten muss man rechnen?
KB: Die Preise setzen sich zusammen aus einem Zeittarif von 0,95 €/h tags und 0,20 €/h nachts und einem Kilometerpreis von 0,32 €/km für Kleinwagen bis 0,67 €/km für einen Transporter. Monatsgebühren und Jahresgebühren fallen keine an. Die Preise sind günstig. Der Stundentarif beträgt ca. 1/3 – 1/5 von dem was Stattauto in München verlangt. Die Kilometertarife sind vergleichbar. Mit diesen Tarifen können wir das System stabil betreiben. Der Jahresumsatz ist Stand heute ca. 300.000 €/a.

EM: Besonders interessant für die Mitglieder ist die gemeinsame Nutzung von Netzkarten des MVV. Wie funktioniert das?
KB: Der VAT organisiert für seine Mitglieder die gemeinsame Nutzung. In Baldham und in Vaterstetten sind in Bahnhofsnähe jeweils zwei Kästen angebracht, die mit einer Codekarte oder dem Führerscheinchip geöffnet werden können. Daraus kann man die Netzkarte entnehmen, die man vorher im Buchungssystem reserviert hat. Nach Beendigung der Fahrt steckt man sie wieder zurück. Die Fahrzeit wird im Buchungssystem gespeichert. Das funktioniert und ist deutlich kostengünstiger als der reguläre Fahrpreis beim MVV.

EM: Ist mit 36 Fahrzeugen nicht auch viel Arbeit verbunden, damit alles reibungslos klappt?
KB: Der CarSharing Verein würde nicht funktionieren, wenn sich nicht sehr viele ehrenamtliche und auch fest angestellte Personen engagieren würden. Es musste ein Buchungssystem entwickelt werden und auch ein technisches System für die Zugangskontrolle in den Fahrzeugen. Alles wurde von ehrenamtlichen Mitgliedern erstellt beziehungsweise in die Wege geleitet. Viele brachten sich dabei mit ihren Erfahrungen ein.
Auch viele normale Vereinsmitglieder leisten ihren Beitrag zum Funktionieren des VAT. Jeder und jede identifiziert sich damit, weil er auch als Mitglied an dem Erfolg des CarSharing teilnimmt und achtet darauf dass die ausgeliehenen Fahrzeuge pfleglich behandelt werden. Wenn es mal Probleme gibt, werden die auf kurzem Wege telefonisch oder per E-Mail schnell geklärt.

EM: Welche Organisation muss man sich dahinter vorstellen?
KB: Die Organisation besteht aus über 60 Personen. Dabei sind sechs feste Mitarbeiter, eine in Teilzeit und fünf über Minijobs tätig. Die anderen sind ehrenamtlich tätig. Etwa die Hälfte der Ehrenamtlichen sind Rentner. Die anderen 50% sind Jüngere.
Von außen sieht man nicht, welche Tätigkeiten anfallen, damit alles funktioniert und auch auf zukünftige Anforderungen eingegangen wird.
Für jedes Fahrzeug ist je eine Person für die monatliche Funktionsprüfung und für die Reinigung zuständig (Car- Chef/in bzw. Reinigungs- Chef/in).
Aufgaben darüber hinaus gibt es in über einem Dutzend von Bereichen vom Betriebs- und Finanzmanagement über Pflege des Buchungs- und Erfassungssystems bis hin zu Mitgliederbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit und Zukunftsprojekte.

EM: Was passiert als nächstes?
KB: In Zukunft sollen vor allem mehr Elektroautos angeschafft werden. Das stellt uns aber vor gewisse Probleme, weil die Ladezeit im Voraus geplant werden muss so dass Stillstandszeiten minimiert werden. Für jedes Auto muss ja auch ein Stellplatz mit Lademöglichkeit gefunden werden. Dies sind die aktuellen Herausforderungen.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.carsharing-vaterstetten.de
Die Energiewende Vaterstetten bedankt sich für das Gespräch und wünscht dem VAT weiterhin viel Erfolg.

Verweise:

  1. https://www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/co2-verkehrssektor-verfehlt-ziele/
  2. https://www.kba.de/DE/Statistik/Kraftverkehr/VerkehrKilometer/vk_inlaenderfahrleistung/2024/verkehr_in_kilometern_kurzbericht_pdf.pdf
  3. https://www.kba.de/DE/Statistik/statistik_node.html
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