Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Wir erleben ihn im Alltag: längere Hitzeperioden, Starkregen, Stürme oder zeitweise Wasserknappheit. Deshalb stellt sich nicht nur für die Kommune, sondern für uns alle die Frage, wie wir uns darauf einstellen und wie wir gemeinsam mit den Folgen umgehen. Die Verantwortung allein bei der Gemeinde abzuladen, greift zu kurz – als Mitbürgerinnen und Mitbürger sitzen wir im selben Boot. Klimafolgenanpassung beginnt im eigenen Haushalt, im Garten, im Wohnumfeld und im Miteinander.
Ein zentraler Ausgangspunkt ist ein bewussterer Umgang mit begrenzten Ressourcen wie Wasser und Strom, verbunden mit einer gewissen Voraussicht auf mögliche Extremsituationen. Wer sich frühzeitig Gedanken macht, kann Belastungen durch Hitze, Starkregen oder Stromausfälle deutlich besser abfedern.
(Trink-)Wasser & (Stark-)Regenvorsorge
Trinkwasser ist kostbar – Regenwasser ist für Einiges eine günstige Ergänzung!
- Regenwasser in Zisternen/Regentonnen sammeln (für Garten, Notversorgung WC)
- Verzicht auf Großverbraucher: Private Pools nicht auf- bzw. nachfüllen
- Bei Umbau: Grundstück wo möglich entsiegeln (z.B. durchlässige Pflasterung), Hauswasserwerk zur Versorgung von WC und Waschmaschine.
Hitzevorsorge zu Hause
Bei hohen Außentemperaturen kann es schnell unangenehm und auch gefährlich werden. Man sollte daher auf energiesparende Kühlstrategien setzen:
- Außenverschattung anbringen (Markisen, Segel, Rollläden, Sonnenschirme)
- Nachts lüften, tagsüber abdunkeln (Rollläden)
- Ausweichen: In Mittagsstunden im Kühlen bleiben (Siesta, Büro in Keller)
- Einfache Tricks: Kappe/Hut aufsetzen, Hand-Fächer nutzen, Wasservernebler
- Bei Klimaanlagen: Raumtemperatur höher drehen um Netzüberlastung zu vermeiden.
- Getränkevorrat (Mineralwasser, etc.) für mehrere Tage je 2 Liter im Haus haben
- Bei Umbau: begrünte Dächer und Fassaden als Wärmepuffer vorsehen, Dach dämmen
Verantwortungsvoller Umgang bei Mobilität & Energie
- Ein funktionierendes Rad haben, mehr Wege zu Fuß/Rad (bzw. ÖPNV / Autoteiler)
- Balkon-/Dach-PV nutzen (mit Speicher), besonders in Verbindung mit Klimaanlagen
- Achten auf effiziente Haushaltsgeräte (sobald Ersatz benötigt wird)
- Bei Umbau: gute Dämmung des Hauses (inkl. Dach!)
- Bei Heizungstausch: auf Nahwärme/Geothermie wechseln, wo verfügbar
Im Garten – damit Pflanzen und Tiere Hitze und Sturm besser überstehen
- Heimische Pflanzen und Blumenwiesen anlegen
- Robuste Pflanzen wählen, die Trockenheit und Starkregen besser vertragen
- Rasen weniger kurz mähen (geringere Austrocknung), sparsamer wässern
- Pflanzen morgens mit Tröpfelschläuchen wässern, weniger gießen.
- Laubbäume erhalten/pflanzen zur sommerlichen Beschattung
- Bäume auf Umsturzgefahr/Astbruch-Potential prüfen (Baumpfleger)

Ein paar Basics zum Umgang mit Extremwetter / Vorbereitungen
Bereiten Sie sich vor, bevor es ernst zu werden droht, z.B.:
- Nutzen Sie die lokalen Informationen der Gemeinde (z.B. Lebendiges Vaterstetten März 2026, Flyer Ratgeber Notfall Vorsorge)
- Installieren Sie Warn-Apps (NINA, KatWarn, DWD) – auch wenn zu viele Warnungen evtl. nerven und die Gefahren manchmal überbewertet erscheinen.
- Notfallmappe mit wichtigsten Dokumenten (ist in jedem Fall eine gute Idee)
- Kleinere Vorräte bereithalten (Wasser, Dosensuppen, Campingkocher?)
- Batterie-Radio, Taschenlampe mit Ersatzbatterien griffbereit haben
- Geladene Power-Bank zum Aufladen vom Handy
Hausbesitzer:
- Rückstauklappe für Abwasser im Keller prüfen/modernisieren, sonst kommt das Problem aus dem Boden und nicht (nur) durch das Kellerfenster.
- Ablaufrinnen / Dachrinnen und Sickergruben reinigen, besonders bei Baumbestand und viel Laubfall.
- Elementarversicherung abschließen gegen alles, was dem Eigentum von außen Schaden zufügen könnte (z.B. Hagel, Starkregen). Für unsere Gemeinde werden die Risiken aktuell (noch) niedrig bewertet, daher sind die zusätzlichen Kosten moderat.
Individuelle Mithilfe in der Öffentlichkeit (Prävention im Umfeld)
Klimafolgenanpassung endet nicht an der eigenen Grundstücksgrenze. Jede und jeder kann im öffentlichen Raum zur Vorsorge beitragen:
- Sichtbare Probleme bei der Gemeinde melden (z.B. verstopfte Gullys, „Seen“ auf der Straße nach Regen), am besten mit Foto. Auch die Gemeinde muss Probleme mit Kanalisation und den Sickergruben für Gullys mitgeteilt bekommen, um gezielt aktiv werden zu können.
- Achten Sie auf Mitmenschen mit Unterstützungbedarf (direkte Nachbarschaftshilfe)
- Erste Hilfe Kurs auffrischen (BRK Ebersberg)
- Fahrwege für Einsatzfahrzeuge freihalten (Notarzt, Feuerwehr, Schneeräumer)
- Werden Sie Mitglied in einer Hilfsorganisation (Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, BRK, etc.)
- Informieren Sie sich über die kommunalen Maßnahmen (z.B. https://www.ebersberg.de/energie-klima-umwelt/klimawandelanpassung)
- Besuchen Sie Kurse bei der vhs Vaterstetten zum Thema (z.B. „Tipps zum Hitzeschutz: Kühle Wohnräume auch an heißen Tagen“ am 16.7.26)
- Engagieren Sie sich in Initiativen, z.B. Baumpflanz-Aktionen
Klimafolgenanpassung ist keine einzelne Maßnahme, sondern ein Zusammenspiel vieler kleiner und größerer Schritte. Wer vorausschauend handelt, schützt nicht nur sich selbst, sondern trägt dazu bei, dass die gesamte Gemeinde widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen eines sich wandelnden Klimas wird.
