Meilenstein für die Wärmewende: Wie es mit der Geothermie in Vaterstetten weitergeht

Meilenstein für die Wärmewende: Wie es mit der Geothermie in Vaterstetten weitergeht

Der interkommunale Geothermiezusammenschluss GeoEnergie MünchenOst (GEMO) – eine Partnerschaft der Gemeinde Vaterstetten (45 %), der Gemeindewerke Grasbrunn (25 %), der Stadt Haar (20 %) und der Gemeinde Zorneding (10 %) – steuert auf die entscheidende Umsetzungsphase zu. Das gemeinsame Ziel ist es, die reichhaltigen hydrothermalen Thermalwasservorkommen des Malm-Karsts im süddeutschen Molassebecken zu erschließen und rund 10.000 Haushalte in der Region mit CO₂-freier, grundlastfähiger Nah- und Fernwärme zu versorgen.

Mit einer erwarteten Vorlauftemperatur von rund 95 °C und einer thermischen Leistung von etwa 21 MW bildet das Projekt ein wichtiges Fundament für die saubere Wärmeversorgung vor Ort. Doch bevor 2027 die Bohrmeißel rund 3.000 Meter tief in den Boden eindringen, laufen hinter den Kulissen bereits die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Aktuelle EU-Ausschreibungen: Die Weichen für den Bohrstart 2027 werden gestellt

Aktuell befindet sich das GEMO-Projekt mitten in den europaweiten Ausschreibungsverfahren. Da es sich um öffentliche Investitionen mit erheblichem Auftragsvolumen handelt, schreiben die Projektpartner wesentliche Gewerke europaweit aus.

Bei Tiefengeothermie-Bohrungen nutzen öffentliche und kommunale Auftraggeber bevorzugt das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb (nach EU-Vergaberichtlinie bzw. Sektorenverordnung / VGV). Das ermöglicht es, komplexe Schnittstellen und Risikoverteilungen vor der finalen Auftragsvergabe gemeinsam mit Spezialunternehmen auszuhandeln. Dieses Verfahren gliedert sich typischerweise in vier Schritte:

  1. Teilnahmewettbewerb: Europaweite Bekanntmachung der Ausschreibung. Bietende Unternehmen reichen ihre Qualifikationen, Referenzen und Eignungsnachweise ein.
  1. Angebotsphase: Geeignete Bewerber werden aufgefordert, detaillierte technische und wirtschaftliche Angebote einzureichen.
  1. Verhandlungsverfahren: In Verhandlungsrunden werden technische Details, Risikoverteilungen und Ausführungsfristen präzisiert.
  1. Zuschlag & Vergabe: Das wirtschaftlichste Angebot erhält den Zuschlag, sodass Verträge rechtssicher geschlossen werden können.

Aufgrund der komplexen und umfangreichen EU-Ausschreibung wird mit einer gesamten Bearbeitungsdauer von 8 bis 15 Monate gerechnet.

Folgende Gewerke befinden sich zurzeit in der Angebotsphase:

  • Bohrplatzbau: Errichtung der flüssigkeitsdichten Asphaltwanne inklusive aller Sicherheits- und Entwässerungseinrichtungen.
  • Bohranlage (Tiefbohranlage): Anmietung und Bereitstellung der hochspezialisierten Bohranlage.
  • Wellhead (Bohrlochkopf): Die zentrale Sicherheits- und Steuerungsarmatur an der Oberfläche.
  • Casings (Verrohrung): Die einzementierten Stahlrohre zur lückenlosen Abdichtung und zum Schutz des Grundwassers.
  • Objektplaner / Architekt: Fachplanung für das künftige Geothermie-Heizwerk.

Ziel ist es, die Vergabe aller Hauptgewerke bis Anfang nächsten Jahres erfolgreich abzuschließen.

Fahrplan & Ausblick: Von der Bohrung zur Wärmelieferung

Nach dem Vergabeabschluss folgen die nächsten Meilensteine im Zeitplan:

  • 2026: Finalisierung der Ausführungsplanung, Klärung der Fündigkeitsversicherung und Abschluss der Vergaben.
  • 2027: Bau des Bohrplatzes und Start der Tiefenbohrung.
  • 2028: Abschluss der Bohrphase, Durchführung der Tests und Beginn des Heizwerkbaus.
  • 2029: Geplante Aufnahme der ersten Wärmelieferung in das lokale Fernwärmenetz.

Während GEMO für die primäre Erzeugung der Tiefenwärme zuständig ist, übernehmen vor Ort in Vaterstetten die Gemeindewerke Vaterstetten den Ausbau und Vertrieb des lokalen Wärmenetzes. Damit bleibt die gesamte Wertschöpfung in kommunaler Hand – für eine unabhängige, preissichere und klimafreundliche Zukunft in unserer Heimat!

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