Erträgliches Wohnraumklima in Hitzeperioden

Teil1: Wie kommt man über die heißen Tage

 Ausgangssituation

Die Erinnerung an die  Hitzeperioden in diesem Sommer ist noch frisch, deshalb ist es klug, sich schon jetzt Gedanken zu machen, wie man die Wohnsituation bei der nächsten Hitzewellen verbessern kann. Denn diese kommt sicher, wie der ständige Temperaturanstieg in den vergangenen Jahrzehnte zeigt. Beispiel: Die über Deutschland gemittelte Anzahl von Tropentagen ( mehr als 30°C) stieg seit den 50er Jahren  von 4 Tagen auf derzeit 12 Tage, Tendenz weiter steigend.

Wie verhalten sich unsere Wohngebäude bei den höheren Temperaturen? Neuere Energiespar-Häuser, d. h. solche, die die Anforderungen des Gebäude-Energie-Gesetzes GEG von 2020 (heute GModG) erfüllen, sind auch vorteilhaft bei großer Hitze, denn eine gute Wärmedämmung behindert den Wärmefluss nicht nur von innen nach außen, sondert auch umgekehrt, sodass die Raumtemperaturen bei großer Hitze weniger stark ansteigen als in älteren, weniger gut isolierten Gebäuden. Außerdem verlangt das GEG in § 14 gezielt einen sommerlichen Wärmeschutz. Neuere Gebäude werden oft mit einer Wärmepumpe geheizt, das bringt zusätzliche Vorteile. Siehe Teil 2.

Die meisten älteren Gebäude sind für diese extremen Situationen nicht optimal ausgelegt, ganz einfach, weil ja die Anforderungen bisher nicht so hoch waren. Glücklicherweise gibt es zahlreiche kurzfristige und langfristige, kostengünstige  und aufwendigere Maßnahmen  zur Schaffung eines erträglicheren Wohnraumklimas.

Verbesserung des Wohnraumklima

Für diejenigen, denen es im vergangenen Sommer in den eigenen vier Wänden zu heiß war, gibt es zahlreiche Verbesserungsmaßnahmen, von einfachen Handgriffen bis hin zu modernen Geräten. Grundsätzlich  geht es dabei um zwei Dinge: Die Wärme nicht in die Räume hereinzulassen und, falls das nicht gut gelungen ist, sie wieder herauszubringen.

Es muss auch nicht immer die gewohnte Wohlfühltemperatur von vielleicht 20°C erreicht werden. Wenn es draußen heiß ist, darf es auch drinnen etwas wärmer sein. 24 bis 28°C werden dann durchaus noch als erträglich empfunden, sicher angenehmer als die 17°C in einem  Supermarkt in Florida im Hochsommer

Wärme draußen lassen

  • Fenster bis auf kurzes, notwendiges Lüften immer geschlossen halten
  • Bei Sonneneinstrahlung  an Fenstern und Glastüren, alle vorhandenen Sonnenschutz-Vorrichtungen (Rolladen, Fensterladen, Außen- oder Innenjalousie, Vorhang) nutzen oder gegebenenfalls anschaffen. Jede Abschirmung der direkten Sonneneinstrahlung außerhalb der Gebäudehülle (hier: Fensterscheibe)  ist um ein Vielfache wirksamer als innen.
  • Verschattungen durch Markisen oder Sonnensegel, wo möglich, auch durch Büsche oder Laubbäume
  • Sonnenschutzglas hat auch eine gewisse Wirkung, verringert aber die Sonneneinstrahlung auch dann, wenn man sie nutzen möchte: Im Herbst, Winter und Frühling.
  • Ventilatoren senken die Raumtemperatur nicht. Lediglich die Temperatur der Hautoberfläche wird durch den Luftstrom etwas abgesenkt. Den Ventilator also nur einschalten, um selbst den Luftstrom zu nutzen.
  • Wer gerade einen Wohnungswechsel plant, sollte sich genau über den Zustand des Objektes bezüglich sommerlichen Wärmeschutzes informieren. Wer selbst ein Haus baut, sollte die hohen Außentemperaturen sehr ernst nehmen und geeignete Maßnahmen umsetzen. Unbedingt bei der Planung einen Fachmann einschalten. Relevante DIN-Norm: 4108-2, mehr z.B. https://www.gebaeudeforum.de/realisieren/bauphysik/sommerlicher-waermeschutz/

Wärme hinausschaffen 

Das ist  schwieriger und erfordert meist einen erheblichen Geräte- und Energie-Aufwand. Hier die gängigen praktischen Möglichkeiten:

  • Lüften: Die einfachste Methode der Temperaturabsenkung, wenn die Außentemperatur deutlich unter der Raumtemperatur liegt, zum Beispiel um 3 – 4°C. Am wirksamsten in den späten Abend- und frühen Morgenstunden. Möglichst viele Fenster und Türen öffnen. Wo praktikabel, auch einige Fenster die Nacht über offenlassen
  • Luft befeuchten: Mit Luftbefeuchtern oder nassen Tüchern in den Räumen lässt sich in begrenztem Maße die Verdunstungskälte nutzen. Funktioniert nur bei niedriger Feuchte der Raumluft. Zu intensiv genutzt, besteht die Gefahr einer zu hohen Feuchte der Raumluft ( drückendes Raumklima )
  • Technische Geräte einsetzen: Es gibt zahlreiche unterschiedliche technische Möglichkeiten, die Raumtemperatur in Hitzeperioden herabzusetzen. Übliche sind Kompaktgeräte, auch Monoblöcke genannt und Split-Geräte mit zwei getrennten Komponenten für innen und außen. Wo vorhanden, kann eventuell auch eine Wärmepumpe zur Kühlung eingesetzt werden. Wer eine Wärmepumpe als Heizung plant, kann bei der Planung die Möglichkeiten der Kühlung mit berücksichtigen, dabei aber immer auf optimale Auslegung der Heizfunktion achten, Denn die Wärmepumpe arbeitet hauptsächlich im Heizbetrieb, für die Kühlung wird sie nur wenige Tage benötigt. Mehr zu Wärmepumpen in Teil 2.

Ein Monoblock ist in der Anschaffung die billigste Lösung, sie kann auch ohne Hilfe von Handwerkern Installiert werden. Es muss aber eine Öffnung nach außen vorhanden sein, um die erwärmte Abluft abzuführen. Und das ist auch der größte Nachteil: Das Herausblasen der warmen Luft mit einem Schlauch erzeugt einen Unterdruck, der warme Umgebungsluft, z.B durch Fensterritzen, kontinuierlich in den Wohnraum hereinzieht, was einen Großteil der Raumkühlung zunichte macht und damit zu einer deutlichen niedrigeren Energieeffizienz im Vergleich zu Split-Geräten führt.

Split-Geräte sind sehr gebräuchlich für die Kühlung kleinerer Volumina, wie einzelner Zimmer oder kleinerer Wohnungen, bekannt aus kleineren Hotels und sehr weit verbreitet in den USA. Sie bestehen aus 2 getrennten Einheiten innerhalb und außerhalb des Wohnraums, verbunden mit 2 dünnen Rohren, in denen das Kältemittel in einem geschlossenen Kreislauf zwischen innen und außen zirkuliert. Dadurch gibt es keine hydraulische Kopplung zwischen innen und außen, und es kommt zu keinem Eindringen von heißer Außenluft in den gekühlten Raum, wie beim Monoblock. Die Anschaffungskosten sind höher und eine Installation durch einen Handwerker ist in der Regel erforderlich. Zusätzlich ist Platz für den außenliegenden Teil zu schaffen, zum Beispiel unauffällig auf einem Balkon oder irgendwo an der Wand. Mieter dürfen eine solche Anlage nur nach Genehmigung des Vermieters einbauen.

Teil 2: Kühlen mit der Wärmepumpe: Angenehmes Raumklima an heißen Tagen

Dass Wärmepumpen im Winter effizient heizen, ist bekannt. Doch wenn die Sommer heißer werden, rückt eine zweite Eigenschaft in den Fokus: Viele moderne Systeme können ein Haus im Sommer auch angenehm temperieren. Aber wie gut funktioniert das wirklich, und was sind die Voraussetzungen?

Zwei Wege zur kühlen Raumluft

Beim Kühlen unterscheidet man zwischen zwei Verfahren:

  • Passives Kühlen (Natural Cooling):Funktionieren kann dies mit Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Hierbei bleibt der Verdichter ausgeschaltet. Die Umwälzpumpe leitet das kühle Wasser aus dem Erdreich oder Grundwasser direkt durch das System. Der Strombedarf ist minimal – effizienter geht es kaum.
  • Aktives Kühlen (Active Cooling):Vor allem bei Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt dieses Prinzip zum Einsatz. Der Kältekreislauf wird schlicht umgekehrt. Die Wärmepumpe arbeitet wie ein Kühlschrank und führt Wärme nach draußen ab. Das verbraucht zwar Kompressorstrom, erzielt aber eine etwas höhere Kühlleistung.

Die nötigen Voraussetzungen

Damit die Kälte im Haus ankommt, braucht es vor allem Flächenheizungen wie Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Klassische Heizkörper sind ungeeignet, da sie die Kälte kaum an den Raum abgeben können. Wichtig ist zudem ein eingebauter Taupunktwächter: Er verhindert, dass sich Kondenswasser auf den kühlen Böden bildet, indem er die Vorlauftemperatur auf etwa 18 °C begrenzt.

Was leistet die sanfte Kühlung?

Wärmepumpen sind keine klassischen Klimaanlagen. Sie senken die Raumtemperatur sanft um etwa 2 bis 4 °C. Das klingt wenig, schafft aber an heißen Tagen den entscheidenden Unterschied zwischen drückender Hitze und angenehmem Wohnklima.

Wie fühlt sich das Raumklima an?

Das Raumklima bei einer kühlenden Fußbodenheizung unterscheidet sich spürbar von einer klassischen Klimaanlage.

  • Angenehmes Raumklima ohne Zugluft:Da keine kalte Luft durch den Raum geblasen wird, entsteht eine gleichmäßige, zugfreie Frische. Die Kühlung erfolgt größtenteils über Strahlung.
  • Höhere Luftfeuchtigkeit:Anders als eine Klimaanlage entfeuchtet die Flächenkühlung die Luft nicht. Daher kann sich die Luft bei schwülem Wetter trotz abgesenkter Temperatur etwas feuchter anfüllen.

Fühlt sich der Boden zu kalt an?

Nein, bei richtiger Einstellung fühlt sich der Boden meist nicht unangenehm kalt an, sondern lediglich angenehm frisch:

  • Begrenzte Temperatur:Ein Taupunktwächter verhindert, dass das Wasser im Boden zu stark abgekühlt wird. Die Vorlauftemperatur liegt in der Regel nicht unter 18 °C bis 20 °C.
  • Oberflächentemperatur:Dadurch sinkt die eigentliche Bodentemperatur meist nur auf etwa 20 °C bis 22 °C. Das entspricht in etwa der Temperatur eines kühlen Fliesenbodens im Frühjahr.
  • Barfuß-Gefühl:Auf Fliesen nimmt man die Frische deutlicher wahr als auf Holz- oder Parkettböden, die die Temperatur schlechter leiten. Barfuß oder auf Socken wird der Boden eher als erfrischend statt als störend kalt empfunden.

Fazit: Wer ohnehin auf eine Wärmepumpe mit Flächenheizung setzt, bekommt eine umweltfreundliche Grundkühlung für den Sommer praktisch frei Haus geliefert.

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